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Stereotype im Kontext von Armut – Stereotype von (angehenden) Lehrkräften mit einem besonderen Fokus auf Interaktionen zwischen Lehrkräften und Schüler*innen
Yendell, Oscar
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URN:
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urn:nbn:de:bsz:180-madoc-716258
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Dokumenttyp:
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Dissertation
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Erscheinungsjahr:
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2026
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Ort der Veröffentlichung:
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Mannheim
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Hochschule:
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Universität Mannheim
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Gutachter:
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Prof. Dr. Oliver Dickhäuser
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Datum der mündl. Prüfung:
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2025
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Sprache der Veröffentlichung:
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Deutsch
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Einrichtung:
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Fakultät für Sozialwissenschaften > Unterrichtsqualität in heterogenen Kontexten (Karst 2023-)
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Fachgebiet:
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150 Psychologie 300 Sozialwissenschaften, Soziologie, Anthropologie 360 Soziale Probleme, Sozialarbeit 370 Erziehung, Schul- und Bildungswesen
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Freie Schlagwörter (Deutsch):
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Armut, Stereotype, Bürgergeld, Hartz-4, Lehrer, Lehrer*innen, Lehrkräfte, Lehramtsstudierende, Schüler, Schüler*innen Schule, Interaktionen
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Freie Schlagwörter (Englisch):
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poverty , stereotypes , welfare , Hartz IV , teachers , preservice teachers , students , school , interactions
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Abstract:
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Vor dem Hintergrund des Zusammenhangs zwischen dem sozioökonomischen Status (SES) und dem Bildungserfolg in Deutschland fokussiert die vorliegende Arbeit auf die (stereotype) Wahrnehmung angehender und praktizierender Lehrkräfte von Schüler*innen und Eltern niedriger SES (Shevchuk & Glock, 2022). Das übergreifende Forschungsinteresse setzt an der bislang fehlenden Differenzierung zwischen Transferleistungsempfänger*innen („Bürgergeld“ bzw. „Hartz IV“) und Einkommensarmen an, da außerschulische Studien zeigen, dass erstere im Hinblick auf schulrelevante Eigenschaften (z. B. Kompetenz und Gewissenhaftigkeit) negativer stereotypisiert werden als Einkommensarme (Fiske & Durante, 2019; Henry et al., 2004; Suomi et al., 2022).
Um dies zu beleuchten, wurden in einem Mixed-Methods-Design stereotyp-fokussierende Forschungsansätze mit interaktionistischen Ansätzen verbunden (Eagly & Chaiken, 1993; Hagenauer et al., 2023; Hollander, 2018; West & Fenstermaker, 1995). In der Studie zu Manuskript 1 wurden explorativ kulturelle und individuelle Stereotype (Zuschreibung von Accountability) angehender Lehrkräfte in Bezug auf Transferleistungsempfänger*innen und Einkommensarme untersucht. In der quantitativen Erhebung nannten angehende Lehrkräfte signifikant mehr negative Stereotype gegenüber Transferleistungsempfänger*innen, die auf schulrelevante individuelle Eigenschaften wie mangelnde Leistungsbereitschaft und fehlendes Verantwortungsbewusstsein abzielten. Die Interviewergebnisse stützen diesen Befund, indem ein Großteil der angehenden Lehrkräfte Transferleistungsempfänger*innen ein individuelles Scheitern zuschrieb, während die Situation von Einkommensarmen überwiegend auf ein Systemversagen zurückgeführt wurde.
Die Studie zu Manuskript 2 verlagerte den Fokus auf praktizierende Lehrkräfte und den Schulkontext und untersuchte qualitativ, in welchen schulischen Interaktionen der Transferleistungsbezug von Schüler*innen für sie eine Relevanz erlangt („Doing Welfare“). Zudem wurde untersucht, welche Stereotype sie gegenüber Schüler*innen und Familien im Transferleistungsbezug (nicht) äußern (Zuschreibung von Accountability). In den Fokusgruppen berichteten die Lehrkräfte, dass der Transferleistungsbezug für sie in leistungsbezogenen Interaktionen keine unmittelbare Relevanz hat. Situativ salient wird er stattdessen in für Schüler*innen schamvollen organisatorisch-bürokratischen Interaktionen, in denen Lehrkräfte Formulare zur Finanzierung von schulischer Teilhabe bearbeiten, sowie in Gesprächen unter Lehrkräften, in denen der Transferleistungsbezug der Eltern als Begründung für schlechte Schulleistung verwendet wird. In diesen Gesprächen schreiben Lehrkräfte Eltern im Transferleistungsbezug mehrheitlich eine geringe Erziehungs- und Bildungsverantwortung zu, woraus sie negative Konsequenzen für die Bildungskarrieren der Schüler*innen ableiten.
Aufbauend auf diesen Erkenntnissen wurden in der Studie zu Manuskript 3 quantitativ attributionale Stereotype und Attributionsmuster praktizierender Lehrkräfte für die schlechte Schulleistung eines fiktiven Schülers unterschiedlicher SES (Transferleistungsbezug vs. Einkommensarmut vs. mittlerer SES) untersucht. Es zeigten sich keine Unterschiede zwischen dem Schüler im Transferleistungsbezug und in Einkommensarmut. Stattdessen konvergierten die Wahrnehmungen: Für beide Schüler mit niedrigem SES wurde schlechte Leistung stärker auf familiäre Hintergründe attribuiert als beim Schüler mit mittlerem SES.
Die stereotype Attribution schlechter schulischer Leistung auf Eltern mit niedrigem SES könnte einerseits die Zusammenarbeit mit Eltern negativ beeinflussen und sich so negativ auf die akademischen Leistungen von Schüler*innen niedriger SES auswirken (Hannon & O’Donnell, 2022; Smith et al., 2020). Andererseits könnten entsprechende attributionale Stereotype bei Schüler*innen mit niedrigem SES zwar das Selbstwertgefühl steigern, gleichzeitig auch zu einer Hoffnungslosigkeit und einem Nachlassen der Motivation führen, da die familiäre Benachteiligung als unüberwindbar wahrgenommen wird (Reyna, 2000, 2008; Wang & Hall, 2018).
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